Beutenkauf - Die Qual der Wahl

 

Beutentyp, Rähmchenmaß, Warm-/Quer- oder Kalt-/Längsbau

 

Wer imkert, muss zu jeder Zeit wissen, wie es um die Gesundheit, das Wohlbefinden, die Versorgung und den Schwarmtrieb des Bien steht!

 

Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, denn Imker/innen tragen eine sehr große Verantwortung nicht nur dem Bien gegenüber, sondern auch gegenüber den Angehörigen, Besuchern, Nachbarn, und nicht zuletzt sich selbst gegenüber.

 

Um also den Zustand der Völker jederzeit erkennen zu können, bedarf es einer guten Übersichtlichkeit, wie sie in Magazin- oder Hinterbehandlungs­beuten durch herausnehmbare Rähmchen gegeben sind.

 

Somit ist eine Anfangsentscheidung abgenommen:

 

Naturwabenbau kommt aufgrund der Unübersichtlichkeit, des Schwierigkeitsgrades und der steten Schwarmgefahr bis auf weiteres für Neuimker/innen nicht in Frage, es sei denn, das Handwerk wird von der Pieke auf bei einem erfahrenen Heideimker erlernt und die Bienen stehen nicht in einer dicht besiedelten Ortsschaft.

 

An dieser Stelle möchte ich zu bedenken geben:


Abgegangene Schwärme sind für Imker/innen ärgerlich und für die Nachbarschaft beängstigend. Die anschließende Diskussion über den Gartenzaun hinweg ist hierbei wirklich nur das geringste Übel.

 

 Honigbienen können in der Natur nicht mehr alleine überleben!!!

 

Schuld daran sind die Varroen und ihre Vermehrungsrate. Wie Mücken saugen Varroen an ihrem Wirt, sie übertragen Krankheiten, schwächen zunehmend die Gesundheit des Bienenvolks, woraus wiederum Folgeerkrankungen resultieren.

 

Ohne imkerliche Obhut

sind Honigbienen dem sicheren Tod geweiht!

 

Bis dahin kann aber der abgegangene, imkerlose Schwarm noch erheblichen gesundheitlichen Schaden an den Bienenvölkern in unmittelbarer Umgebung anrichten.


Verantwortungsbewusste Neuimker/innen entscheiden sich deshalb für eine Betriebsweise mit Rähmchen, die einzeln entnommen, kontrolliert, bewertet, umgehängt oder auch entsorgt werden können. Imkerliche Eingriffe sind dadurch jederzeit flexibel möglich.

 

Aber auch dann steht man immer noch vor einer Vielzahl von Beutentypen.

 

3 Imker: 5 Meinungen!

 

Dem Bien ist der Beutentyp völlig egal, die Hauptsache ist, die Behausung kommt dem Naturell der Bienen weitestgehend entgegen. Das ist aber bei fast allen gängigen Beutentypen der Fall und somit bleibt Ihnen die Qual der Wahl.

 

Deshalb dürfen bzw. müssen sogar die individuellen Anforderungen und Bedürfnisse des Imkers / der Imkerin eine wesentliche Rolle beim Auswahlkriterium spielen, gleichfalls der künftige Standort (z. B. fester Standort und/oder Wanderung, überdacht oder freistehend) und zudem die Anordnung der Beutenaufstellung.

 

  • Ist der/die Imker/in groß und stark oder eher klein und schmächtig?
  • Gibt es gesundheitliche Einschränkungen, die zu berücksichtigen sind?
  • Besteht familiäre Mithilfe oder will man die Zargen alleine stemmen können?
  • Wie sieht der künftige Standort aus und wie kann aufgestellt werden?
  • Wie weit ist der künftige Standort entfernt?
  • Müssen die Gerätschaften stets dorthin transportiert werden oder gibt es Unterbringungsmöglichkeiten vor Ort?
  • usw.

 Imkerliche Arbeit ist schwere Arbeit!

 

Haben Sie schon einmal 20 kg Katzenstreu

in die zweite Wohnhausetage getragen?

 

Ein auf beiden Seiten mit Honig gefülltes Rähmchen im Deutsch Normalmaß wiegt etwa 2 kg. Das mal 10 oder 12 Rähmchen plus Zarge…

 

Im Folgenden möchte ich Ihnen deshalb einige Meinungen und Hinweise als Entscheidungshilfe mit auf den Weg geben. Sie stammen u. a. aus persönlichen Gesprächen mit erfahrenen (auch Berufs-) Imkern/innen, Fachlehrkräften sowie aus Seminaren und Fachliteratur; auch eigene Erfahrungen fließen mit ein.

 

Es ist sehr hilfreich, sich seine ganz persönliche Checkliste zur Entscheidungsfindung anzulegen. Vielleicht lassen sich nicht alle Anforderungen wie gewünscht umsetzen, aber ein geeigneter Kompromiss wird sich finden lassen.

 

In Gesprächen mit Berufsimkern wurden mir immer wieder folgende Beutentypen genannt: Dadant, Langstroth, Zander (jeweils Magazinbeuten im Kalt-/Längsbau, falzlos).

 

Während Nebenberufs- und Freizeitimker in meinem unmittelbaren Umfeld zumeist auf Deutsch Normalmaß schwören, hingegen aber je nach Alter und Vorliebe Magazin- und/oder Hinterbehandlungsbeuten verwenden. Deutsch Normalmaß gibt es in Warm- und/oder Kaltbau.

 

 1. Grundsatzentscheidung

    Warm-/Querbau, Kalt-/Längsbau oder beides

 

Warmbau   = Querbau       = alle Waben hängen quer zum Flugloch

Kaltbau      = Längsbau     = alle Wabengassen laufen auf das Flugloch zu

 

Ist der Beutentyp gleichschenkelig, kann sowohl im Warm- als auch im Kaltbau gearbeitet werden (z. B. Segeberger Beute).

 

Es gibt auch Beutentypen, bei denen im Warm- und im Kaltbau gearbeitet werden kann, allerdings mit verschieden Rähmchengrößen (z. B. im Warmbau mit Deutsch Normalmaß und im Kaltbau mit Zander).

 

Hinweis: Wenn Bienen ohne imkerliche Richtungsvorgabe ihre Behausung gestalten, würde man eher einen schrägen Wabenbau zum Flugloch vorfinden.

 

 

a) Ergonomische Arbeitsweise

 

Prof. Dr. Burkhard Schricker

Freie Universität Berlin, Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie, Institut für Zoologie

 

Im Warmbau ist der Arbeitsplatz hinter der Beute, im Kaltbau seitlich der Beute, sodass die Rähmchen gerade herausgehoben werden können.

 

Was also für die vergleichsweise leichten Rähmchen gilt, sollte im Besonderen für das Abheben von Zargen gelten. Die Griffleisten sind bei vielen Magazinbeuten nur vorne und hinten angebracht. Wenn Sie im Warmbau imkern möchten oder/und Ihre Beuten in einer Reihe aufgestellt werden, dann achten Sie unbedingt auch auf seitliche bzw. rundum Griffleisten*).

 

Wenn man jung ist, mag es einem noch nicht so auffallen, wenn man sich bei jeder Rähmchenentnahme oder bei jedem Abheben der Zargen um 45° seitlich verdreht und diese ebenso wieder langsam abstellt. Mit zunehmender Arbeitsbelastung bzw. zunehmendem Alter wird Ihnen der Rücken dann aber diese Belastung quittieren und außerdem schießen Hexen gerne an Tagen, an denen man es ganz und gar nicht gebrauchen kann.

 

*) Griffleisten im Gegensatz zu Eingriffe

Griffleisten sind extra angebrachte Leisten und ermöglichen einen sicheren Halt. Hingegen sind Eingriffe der Beutenwandstärke abgetrotzt, bei Holz ausgefräst und bei Styropor gussbedingt. An dieser Stelle ist die Beutenwand also dünner, darf aber nicht so dünn sein, dass sie dadurch instabil wird. Wie viel Eingriff kann eine Beutenwand mit vielleicht 20 mm Stärke für einen sicheren Halt hergeben? Sehen Sie sich das bitte genau an und bedenken Sie, dass später noch Gewicht dazu kommt.

 

Lange Fingernägel können Sie übrigens beim Imkern ganz grundsätzlich vergessen. Schlechte Eingriffe zum einen, Propolisverfärbungen und Wachsreste zu anderen…

 

Behalten Sie also unbedingt Ihre Arbeitssicherheit und Ihre Gesundheit stets im Blickfeld.


b) Strategische Sichtweise

 

Gemäß „Grundwissen für Imker", dlv-Verlag, Arbeitsblatt zu 03-03-03:

 

„Der Bienensitz ist bei Längsbau, der annähernd der natürlichen Wabenstellung entspricht, wesentlich näher am Flugloch. Außerdem mündet jede Wabengasse direkt am Flugloch, wodurch sofort weitere Wächter mobilisiert werden können.

 

Im Querbau ist der Bienensitz mehrere Waben von der Gefahrenzone entfernt, die von den Wächtern nur über das Bodenbrett erreicht werden kann."

 

 

c) Futterabriss im Wintersitz

 

Bruno Binder-Köllhofer, Fachberater für Bienenzucht, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Dienststelle Bieneninstitut Kirchhain,

hat hierzu in der ADIZ 8/2002 geschrieben:

 

 „Das Brutnest sitzt in der Regel immer fluglochnah, die Vorräte werden fluglochfern entweder hinten oder über dem Brutnest gelagert.

 

Beim Längsbau sind alle Wabengassen leicht vom Flugloch aus erreichbar. Die Bienen haben im Winter einen Zehrweg längs der Wabe und müssen keine Waben und Wabengassen übersteigen, um an die Futtervorräte zu gelangen, was besonders bei einräumiger Überwinterung entscheidend ist…

 

… Tipps für Querbau:

Möglichst zweiräumig überwintern, dann ist immer ausreichend Futter über dem Brutnest!"

 

Bei ungünstigen Witterungsverhältnissen aber insbesondere wenn eine Wabe „farblich aus der Reihe tanzt“ oder weil das Volk zu schwach oder mit zu wenig oder minderwertigem Futter eingewintert wurde, kann es in der Überwinterungsphase zum Futterabriss kommen. Das Volk verhungert, obwohl genügend Futter nur wenige Zentimeter entfernt zur Verfügung steht.

 

Der Querbau verlangt das Überwechseln in andere Wabengassen, denn die nächste Futterquelle befindet sich erst vollständig auf der nächsten Wabe.

 

Im Längsbau ist das Futter pro Wabe hinten eingelagert. Natürlich muss auch im Längsbau die Wabe gewechselt werden, um zur nächsten Nahrungsquelle zu gelangen, die Bienen sitzen aber schon genau daneben, der Wechsel ist somit fließender. 


Dieses Argument ist also nicht von der Hand zu weisen.


Aber Futterabriss ist in erster Linie ein Fehler in der imkerlichen Betreuung. Bei guter Einwinterung des Volkes ist die Wabenbaurichtung nicht maßgeblich. Der Fehler steht immer hinter (oder neben) der Beute. Es ist imkerliche Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es so weit gar nicht erst kommt. Das Volk muss stark sein, Futter muss ausreichend vorhanden sein, also im Umkehrschluss auch nicht zu viel, damit die Bienen selbst auch noch Platz finden, im Jahresverlauf wurde auf Wabenhygiene und Gesundheitsprophylaxe geachtet und nun ist es auch sehr wichtig, dass keine Altwabe neben einer unbebrüteten Neuwabe hängt, denn an diesem Punkt sieht das Volk den Wohnraum als beendet an, geht nicht über diese Farbbarriere und verhungert neben dem Futterparadies.

 

Den Hinweis zur zweiräumigen Überwinterung habe ich hier extra mit aufgenommen. Der gilt allerdings nicht nur für den Warmbau. Ich selbst imkere hauptsächlich (aber nicht nur) im Kaltbau zu je 10 Deutsch Normalmaß Waben (DN: 394 mm breit, 223 mm hoch) pro Zarge (Raum). Wenn die Bienen einzargig überwintern, kann das Futter in einem langen oder einem zu warmen Winter knapp werden. Bei 12 Deutsch Normalmaß Waben pro Zarge oder würde man für die unterste Zarge das Deutsch Normalmaß Anderthalb (DN Anderthalb: 394 mm breit, 338 mm hoch) verwenden, würde das sicherlich schon anders aussehen.

 

An dieser Stelle noch ein weiterer Hinweis zum Flugloch für den Wintersitz von

Werner Gekeler, Imkermeister und staatlicher Fachberater, veröffentlicht in der Bienenpflege 1/2014

 

„Zur Vorbereitung eines günstigen Wintersitzes mit günstigen Zehrwegen ist bei Querbau das Flugloch seitlich und bei Längsbau mittig anzuordnen.

 

Achtung: Der fluglochorientierte Wintersitz ist die Fortsetzung der fluglochorientierten Brut- und Futteranlage.

Dieses Naturgesetz … also ständig beachten!“

 

d) Kippkontrolle

 

Kippkontrolle ist eine (von weiteren) Maßnahme(n), den Volkszustand zu kontrollieren, z. B. um den Scharmtrieb zu erkennen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Doch ist es im Kleinen genauso, wie im großen Menschenleben: Keine „Verhütungsmethode“ ist 100-prozentig zuverlässig!

 

Aber gerade für die Winterbehandlung mit Oxalsäure ist die Kippkontrolle vorteilhaft. Die zweite aufgesetzte Zarge wird lediglich angekippt (und somit nicht abgehoben!), dadurch ist die Behandlung mit lauwarmer Oxalsäure schnell erledigt und das Bienenvolk kühlt nicht aus!

 

Die Möglichkeit zur Kippkontrolle bietet somit zusätzliche Flexibilität (übrigens auch aus ergonomischer Sicht).

 

So funktioniert die Kippkontrolle im Kaltbau (falzlos):

Obere Kaltbau-Zarge hinten leicht anheben, etwas zu sich heran ziehen, damit die Zarge nicht nach vorne abrutschen kann, per Einblick von unten den Volkszustand kontrollieren.

 

Und funktioniert das auch im Warmbau? „Jein!“

Im Warm-/Querbau ginge das nur seitwärts; also wiederum (wie im Kaltbau) entlang der Wabengassen. Würde man es anders herum versuchen, würden die Rähmchen unten zwangsläufig aneinander schlagen, was garantiert nicht ohne Folgen von den Bienen quittiert wird. Außerdem funktioniert das nicht, wenn Warmbau-Beuten in Reihe aufgestellt sind, weil sie dann nicht seitlich gekippt werden können. Kippkontrolle im Warmbau ginge also nur seitlich und wenn die Beute solo steht.

 

Bitte zur Kippkontrolle unbedingt beachten, dass hierbei eine weitere entscheidende Rolle spielt, ob die Beuten mit oder ohne Falz sind; siehe nächsten Punkt „Falz oder falzlos? Das ist hier die Frage!“

 

e) Ameisensäurebehandlung

 

Die Ameisensäurebehandlung muss im Pro und Contra der Wabenrichtung nicht als Kriterium herhalten. Die Ameisensäurebehandlung passt man den Gegebenheiten an und nicht umgekehrt.

 

 

2. Grundsatzentscheidung

    Falz oder falzlos? Das ist hier die Frage!

 

Was Briefmarken sind, weiß jeder. Wenn aber Imker/innen von Briefmarken sprechen, dann meinen sie „verunfallte“ Bienen, die durch das Auf- und Umsetzen von Zargen plattgedrückt wurden. Faltenfreie, vertrocknete Bienen sind unsere „unrühmlichen“ Briefmarken und kein Aushängeschild für umsichtige Imker/innen. Schade um jedes einzelne Individuum!!!

 

 

Falzlos = Zargenrand ist glatt

(evtl. ist auch eine Verrutschkante im Innenbereich der Zarge angebracht)

 

Mit Falz = Die Zargenwand teilt sich bei der Zargenverbindung auf zwei ineinander passende Kantenbereiche:

 

I         I
I     __l
I    I
I__I       ← untere Kante der oberen Zarge

            ↓  wird auf das Gegenstück aufgesetzt


     __
    l    l  ← obere Kante der unteren Zarge
__I    l
I        l
I        I

 

 

Unter der treffenden Überschrift „Falzlos glücklich“ haben es Dr. Pia Aumeier (Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr Universität Bochum) und Dr. Gerhard Liebig (Bienenwissenschaftler) in ihrem Beitrag (Deutsches Bienen Journal 2/2013, Seite 35) auf den Punkt gebracht.

 

Betreffend Falz:

 

„… Die ineinander greifenden Kanten vermitteln dem Imker ein angenehmes Gefühl von Stabilität und Passgenauigkeit.“

 

Betreffend falzlos:

 

„Auch ohne ineinander greifende Kanten sind Zargen in der Regel kurz nach dem letzten Öffnen ohne Stockmeißel nicht mehr zu trennen. Kleine Spalten haben die Bienen nach wenigen Stunden verkittet. …“

 

 

Betreffend Wanderung:

 

„Bei einem Unfall bremst keine Falz den Schwung des Beutenturms.“

 

Und im Übrigen:

 

„Imkern in falzlosen Beuten…

      • unterscheidet sich aus Sicht der Bienen nicht vom Imkern in Beuten mit Falz,
      • schont Zeitbudget und Material, da die Beuten weniger reparaturanfällig sind,
      • ist günstig, da sich Beuten ohne Falz leichter herstellen und nachbauen lassen,
      • erleichtern das Trennen verklebter Zargen,
      • ermöglicht Kraft schonend und rückenfreundlich eine Kippkontrolle, die während der Schwarmzeit in Abstand von sieben Tagen durchgeführt werden sollte.

...

Kippen nur bei glatten Kanten…

 

An den stabilen, glatten Oberkanten der Zargen wird der obere Brutraum samt aufgesetztem Honigraum vom unteren Brutraum getrennt, ein Stück nach hinten gezogen und dann nach oben gekippt.

 

Haben die Zargen jedoch einen Falz, müssen die obere Brutraumzarge und der Honigraum über den Falz gehoben werden (bis zu 50 kg), wenn sie beim Kippen nicht abrutschen sollen. …“

 

 

Mit Falz arbeitet man immer beidhändig, die Zarge muss immer erst vollständig hochgehoben werden. Und im Umkehrschluss muss sie auch von oben passgenau wieder aufgesetzt werden. Man hat also beim Zurücksetzen der Zarge auch keine Hand frei und auf dem Rand sitzende Bienen können so nicht abgekehrt werden. Bei der Kippkontrolle muss zudem die Zarge erst hochgehoben und etwas versetzt auf die untere Zarge zurückgestellt werden. Das ganze Zargengewicht lastet dann auf der dünnen Falz, was auf Dauer zwangsläufig Schäden verursacht.

  

Hingegen braucht im falzlosen System gar nicht erst hochgehoben werden. Nach dem Lösen kann die Zarge vollständig zu sich herangezogen und dann zur Seite gestellt werden. Beim Zurückstellen kann die Zarge wie es gerade passt aufgesetzt und langsam zum Vorderrand geschoben werden. Dadurch hat man eine Hand frei und kann etwaige auf dem Rand sitzende Bienen abzufegen. Ebenso unkompliziert ist es dann bei der Kippkontrolle.

 

Die Falz ist im Übrigen auch kein Argument dafür, dass die Bienenwohnung damit windgeschützter ist. Bienen werden immer, ganz gleichgültig ob mit oder ohne Falz, sämtliche Ritzen mit Kittharz verschließen. Das Lösen mit dem Stockmeißel birgt ein weiteres Risiko, die Falz zu beschädigen. Die Auflageflächen müssen zudem regelmäßig vom Kittharz befreit werden, im Falle einer Falz bedeutet das selbstverständlich zusätzlichen filigranen Reinigungsaufwand.

 

Mit Falz ist aber immer gewährleistet, dass die Zargen passgenau übereinander sitzen. 

Falzlos hingegen ist das nicht gewährleistet und bedarf der imkerlichen Achtsamkeit.

 

 

3. Grundsatzentscheidung

    Holz- oder Styroporbeute

 

Bienen nehmen Styroporbeuten ebenso an wie Holzbeuten.

 

Die Leichtigkeit der Styroporbeuten ist ihr bestechendes und allerbestes Argument. In Styroporbeuten wird schon seit vielen Jahren erfolgreich geimkert und es gibt sie inzwischen in den unterschiedlichsten Maßen.

 

Wer gerne umweltbewusst denkt und handelt, will bei Styropor „vielleicht doch schwach“ werden wollen, wenn er/sie dem Imkertyp „klein und schmächtig“ angehört. Wer bei Styropor aber Bedenken bis Bauchschmerzen bekommt, sollte mal vergleichsweise Beuten aus Sibirischer Linde anheben. Vielleicht ist das Ihre Alternative.

 

Die klimatischen Bedingungen in Holzbeuten sind aber natürlicher und deutlich besser. Lassen Sie sich zum Holztyp Ihrer Beute gut beraten. Holz arbeitet! Kontrollieren Sie die Qualität der Verarbeitung und die Passgenauigkeit.

 

Während Sie Styroporbeuten auf Wunsch bereits vorbehandelt erwerben können, handeln Sie sich bei Holzbeuten Dauerarbeit ein. Holzbeuten müssen anfangs und auch künftig immer wieder gestrichen werden, um sie in gutem Zustand zu erhalten. Danach müssen sie lange auslüften, denn strenge Gerüche jeglicher Art können Bienen überhaupt nicht leiden.

 

Wachsmotten sind die Quälgeister der Imkerei. Sie bohren sich sowohl in Holzbeuten als auch in Styropor. Aber selbstverständlich ist weiches Material deutlich anfälliger. Wachsmotten halten sich eher an das Styropor als an das Rähmchenholz in der Styroporbeute. Damit Ihre Styroporbeute also nicht irgendwann aussieht, wie ein Schweizer Käse, muss sie regelmäßig ausgebessert werden. Dafür gibt es eine spezielle Paste in Tuben.

 

Im Übrigen ist das Thema Materialfestigkeit/-beschädigung auch bei der Arbeit mit dem Stockmeißel relevant, insbesondere dann, wenn überall Propolis zu entfernen ist.

 

Für Imkertypen „klein und schmächtig“ an dieser Stelle noch der Hinweis, dass man notfalls auch durch 1 zu 1 Umhängen bei Magazinbeuten arbeiten kann. Beutendeckel verkehrt herum auf die nächste Beute legen, darauf eine Leerzarge stellen, sodass anstatt eine ganze Zarge abzuheben lediglich die Rähmchen einzeln in die Leerzarge umgehängt und nach Fertigstellung der Arbeit wieder zurückgehängt werden. Das hat allerdings auch große Nachteile: Die Arbeit ist sehr langsam und die Störung am Volk dauert deutlich länger. Und es bewirkt außerdem, dass die bienische Betriebstemperatur im Stock vollständig durcheinander gebracht wurde.

 

Wenn Sie sich für Magazinbeuten entschieden haben, achten Sie darauf, dass der Boden ein offenes Gitter hat. Der Bienensitz im Winter sollte möglichst kühl sein, damit sie fest in der Wintertraube sitzen. Die Bodeneinlage wird nur für Kontroll- und Behandlungszwecke eingeschoben, ansonsten sitzen die Bienen ganzjährig auf offenem Boden.

 

 

4. Grundsatzentscheidung

    Rähmchenmaß                

 

Dr. Benedikt Polaczek,

Ausbilder Tierwirt/in Fachbereich Bienenhaltung, Freie Universität Berlin,

vertritt die Meinung,

 

dass man sich daran orientieren sollte, welches Rähmchenmaß im unmittelbaren Umfeld (Standort / Imkerverein) verwendet wird, damit man sich jederzeit untereinander schnell und unkompliziert aushelfen kann (z. B. für Weiselproben).

 

Natürlich kann man sich auch für ein ganz anderes Maß entscheiden, muss sich aber (gerade als Anfänger) dessen bewusst sein, dass mal eben schnelles Aushelfen von Nebenan nicht so ohne weiteres möglich ist. Auf jeden Fall ist man insbesondere anfangs, also wenn einem selbst noch nicht genügend Völker zur Verfügung stehen, deutlich eingeschränkt.

 

Selbstverständlich kann man auch von einem Rähmchenmaß auf ein anderes umrüsten, dann müssen Sie sich aber mit diesem Thema vorher schon auseinandersetzen.

 

Im Übrigen gilt dies auch schon für die jeweilige Zargenhöhe eines (!) Beutensystems. In Beutensystemen mit Großbrutraum können Waben nicht nach oben gehängt werden. Besteht der Brutraum hingegen aus zwei gleichhohen Zargen, ist dies kein Problem.

 

 

5. Grundsatzentscheidung

    Neues oder Gebrauchtes

 

  • Verfügen Sie schon über das „know how“ zur Bienengesundheit?
  • Steht Ihnen bereits Equipe zur Beutensanierung zur Verfügung?
  • Wie viel Vorbereitungszeit steht Ihnen noch bis zur Übernahme Ihrer Bienen zur Verfügung?
  • Steht Ihnen erforderlichenfalls ein erfahrener Imker zur Seite, um Gebrauchtes brauchbar zu machen?

 

Kein gebrauchtes Beutenmaterial ist unbelastet!

Krankheitserreger kommen als blinde Passagiere mit!

 

Deshalb muss gebrauchtes Beutenmaterial unbedingt vor dem Einsatz fachgerecht saniert werden, um ein hygienisches Anfangsklima für Ihre Bienen zu schaffen. Können Sie das nicht, dann lassen Sie besser die Finger davon! Das wäre ansonsten ein schlechter Start in das neue Imkerleben.

 

Mit dem Kauf von neuem Material haben Sie die Gewissheit, dass die Beutenhygiene stimmt und haben sich auch damit Zeit verschafft, bis auf Ihrem Bienenstand turnusmäßige Reinigungsarbeiten anfallen.

 

 

Abschließend

 

Ihre persönliche Checkliste hat sich schon gefüllt?

 

Pro Wirtschaftsvolk brauchen Sie einen vollständigen Magazinbeutensatz:

  • 1 Blechabdeckung
  • 1 Deckel
  • 1 Futterzarge *)
  • 2 Zargen für Honigräume
  • 1 Absperrgitter
  • 2 Zargen für Bruträume (alternativ 1 Großraumzarge)
  • 1 Boden
  • 1 Bodeneinlage (sogenannte Windel)
  • Rähmchen für alle Zargen plus 2 Rähmchen, um diese zum Baurahmen umzufunktionieren

*) Die Futterzarge ist für die Wintereinfütterung vorgesehen. Hier gibt es unterschiedliche Modelle. Futterzargen mit Plastikeinsatz und Deckel schotten den Futtervorrat sehr gut gegen Räuberei ab. Bitte achten Sie bei dem Plastikeinsatz darauf, dass der Trog aus einem einzigen Guss besteht, da verklebte Verbindungen brüchig werden können. Man kann aber zur Einfütterung auch eine Leerzarge aufsetzen und einen passenden Plastikbehälter aus dem Haushaltsbereich verwenden, das wäre dann auch platzsparender in der Lagerhaltung.

 

Als Empfehlung möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben, auch am Anfang schon für ausreichend Reservebeuten vorzusorgen, denn wenn sich z. B. der Schwarmtrieb eingestellt hat, ist schnelles Eingreifen erforderlich. Ausbrechen der Weiselzellen hilft nicht, Sie müssen das Volk teilen können und deshalb müssen Sie jederzeit handlungsfähig bleiben. Für den Notfall sollten Sie mindestens

  • 1 Blechabdeckung
  • 1 Deckel
  • 2 Zargen
  • 1 Boden
  • 1 Bodeneinlage
  • Rähmchen für alle Zargen plus 1 Rähmchen für den Baurahmen

vorrätig halten. Damit steht Ihnen erforderlichenfalls sogar eine weitere Zarge für das Wirtschaftsvolk zur Verfügung.

 

Perspektivisch ist je Wirtschaftsvolk 1 Beutensatz und 1 Reservesatz sinnvoll, insbesondere auch dann, wenn Sie nach dem Prinzip „Teilen und behandeln“ imkern. Die Reservebeuten auch flexibel zur Ablegerbildung eingesetzt werden.

 

Sie werden also auch über Ihre Lagermöglichkeiten nachdenken müssen, denn im Winter sitzen die Völker nur auf ein bis zwei Zargen, der Rest muss so lange im Lager unterkommen.

 

 

Falls Fragen offen geblieben sind, kontaktieren Sie uns bitte.

 

Viel Erfolg bei der Suche nach der passenden Beute!

 

 

/BvE

utebve.ivblankenfelde [at] yahoo.de